Gemeinsam bis an die Wasserlinie gehen

Kremperheides Bürgermeister Sven Baumann steht an dem See, in dem am 25. Juni ein 28-Jähriger ertrank. Er appelliert an die Badegäste, sich an die Spielregeln zu halten. (Foto: Kristina Mehlert)

Nachdem am 25. Juni ein 28-jähriger Mann aus Itzehoe im Badesee in Kremperheide ertrunken ist, appelliert Kremperheides Bürgermeister Sven Baumann an alle Besucher der Deckmannschen Kuhlen, mehr Verantwortung füreinander zu übernehmen. „Achten Sie auf Ihre Mitmenschen und Freunde, die nicht schwimmen können – genauso, wie Sie ein Kind am Badesee niemals unbeaufsichtigt lassen würden“, betont er, als er am Ufer steht. Und damit sei nicht gemeint, vom Handtuch aus ein Auge auf den Nichtschwimmer zu haben. Vielmehr müsse man gemeinsam bis an die Wasserlinie gehen und die Person jederzeit im Blick behalten. Seine persönliche Einschätzung zum Unglück: „Bei den heißen Temperaturen waren einfach zu viele Menschen an der Badestelle. Viele Kinder spielten und tobten an der Wasserlinie. Dass nur wenige Meter weiter jemand in Not war, bemerkte deshalb offenbar niemand.“ Die Deckmannschen Kuhlen sind längst nicht nur bei Einheimischen beliebt. „Uns wurde der See empfohlen, deswegen sind wir heute hier“, sagt etwa Julia Schmidt, die mit Ehemann Sebastian und Sohn Luki gerade einen Sommertag am Wasser verbringt und dafür aus Elmshorn gekommen ist. „Das sind Gäste, die hier willkommen sind“, sagt Baumann.

Mit Sorge blickt der Bürgermeister auf das Verhalten einiger anderer Besucher, die zum Beispiel trotz des Hundeverbots am Strand und im Wasser ihre Hunde frei laufen lassen. „Warum werden Verbote einfach so missachtet?“, fragt er sich. Er wisse auch, dass nicht selten Unfälle passieren, weil sich Badegäste „nicht an unsere Spielregeln halten“. Baumann, der selbst im See schwimmen geht, hat auch schon beobachtet, dass einige Besucher stundenlang in der prallen Sonne liegen, Alkohol trinken und feiern, bevor sie sich in dem bis zu zwölf Meter tiefen See abkühlen – „das kann böse enden“.
Kurz nach dem tragischen Badeunglück, am folgenden Wochenende, machte sich Baumann noch gegen 22 Uhr selbst auf den Weg zum See, um die letzten Feiernden aufzufordern, das Gelände zu verlassen. „Sogar in unserer Satzung steht, dass mit Einbruch der Dunkelheit und spätestens bis 22 Uhr der Seebereich verlassen werden muss. Hier greift zudem das Waldgesetz“, erklärt er. Um für die Einhaltung der Regeln zu sorgen, schaue zudem in unregelmäßigen Abständen ein von der Gemeinde beauftragter Sicherheitsdienst nach dem Rechten. Dieser spreche Besucher bei Verstößen gegen die Badeordnung an.
Die darin stehenden Regeln seien klar: Stand-up-Paddling sowie Boots- und Kanufahren seien ebenso verboten wie Campen, Grillen und offenes Feuer. Baumanns Erfahrung: „Manchmal muss man leider rigoros durchgreifen und einfach Hausverbote erteilen.“ Das eigentliche Problem sei zum Beispiel nicht das Grillen selbst, sondern: „Leider gibt es Menschen, die die heiße Kohle in den Knick kippen oder im Sand vergraben, sodass sich kleine Kinder am nächsten Tag beim Spielen noch die Hände verbrennen können.“ Nach den Wochenenden bleibe zudem oft eine große Menge Müll zurück. Gemeindearbeiter sammelten regelmäßig Zelte, Matratzen, Flaschen, Zigarettenkippen und weiteren Abfall ein.
Auf die Frage, ob der Badesee denn besondere Gefahren berge, antwortet Baumann: „Die Tücken merkt man nicht.“ Damit meint er jedoch, dass man sich zum Beispiel im Schilf schnell mal die Füße aufschneiden könne. Dort dürfe man sich aber ohnehin nicht aufhalten, denn es gebe am Badesee geschützte Bereiche: „Dabei handelt es sich um einen Schutzstreifen für die Natur. Rein rechtlich könnte das Missachten sogar als Straftat gewertet werden.“ Ein Schild weist direkt am Badesee außerdem darauf hin, dass es Untiefen und Unterwasserhindernisse gibt und das Baden auf eigene Gefahr erfolge, weil es keine Aufsicht gibt.
Wichtig ist auch: In dem gegenüberliegenden See ist das Baden ausdrücklich verboten. Dieser gehört laut dem Bürgermeister dem Angelverein Itzehoe und weise gefährliche Untiefen auf. „Dort hat es leider schon mehrfach Badeunfälle mit tödlichem Ausgang gegeben – weil die Regeln missachtet wurden und jeder einfach macht, was er will.“
Baumann hofft, dass sich die Besucher künftig an die Regeln halten – aus Rücksicht auf die Natur und vor allem, um weitere tragische Unglücke zu verhindern. Ihm liegt außerdem am Herzen: „Schwimmen zu können, kann im Ernstfall Leben retten. Wer nicht schwimmen kann, sollte es lernen.“ Dafür sei es nie zu spät.

(Quelle: Norddeutsche Rundschau, 3.7.2026)